Tag 4: Carl-von-Stahl-Haus zur Wasseralm

Der Tag begrüßt uns beim ersten Blick aus dem Fenster um 6 Uhr mit Kaiserwetter. Schilder im Frühstücksraum mit der Aufschrift „Wasseralm mindestens 7 Stunden“, der dezente Hinweis „wenig Schatten“ bei der Tourenbeschreibung im Wanderführer und die angegebenen über 1000 Höhenmeter sowohl im Abstieg als auch im Aufstieg lassen erahnen, dass es heute fordernd werden könnte.

Darum machen wir uns früh auf den Weg, während die ersten Gäste, die den Aufstieg vom Königssee schon hinter sich haben, das erste Weißbier in der Morgensonne genießen. Vom Carl von Stahl-Haus geht es hinauf zum Schneibstein, dem ersten 2000er der Tour. Der Aufstieg ist zwar wenig anspruchsvoll, bringt aber 500 anstrengende Höhenmeter mit sich. Nach etwa eineinhalb Stunden sind wir oben und genießen den famosen 360-Grad-Blick … auf Watzmann und Großen Hundstod , Steinernes Meer, Hochkönig und die Schönfeldspitze, ins Hagengebirge, auf den Hohen Göll und das Hohe Brett und zurück auf den Untersberg.

Man kann sich kaum statt genug sehen hier oben auf dem Gipfelplateau, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns, und so wandern wir in nahezu vegetationslosem Gelände über viele Restschneefelder weiter. Es ist ein gemütlicher Abstieg in einer kargen Gesteinslandschaft bis zum Seeleinsee. Die Rast an dem in einer tiefen Mulde gelegenen See fällt kurz aus, da es auch hier keinen Schatten gibt und die Mittagssonne inzwischen prall am Himmel steht. Ins Wasser traut sich keiner, dafür ist es deutlich zu kalt.

Ein kurzer Zwischenanstieg führt uns durch ein Schneefeld hoch zum Hochgschirr-Sattel, von dem aus der Weg weit hinunter ins Tal führt. Zu unserer großen Erleichterung erblicken wir in einiger Entfernung die ersten Bäume und kleinere Wäldchen, und schon bald drängen wir uns unter der ersten schattenspendenden Fichte zusammen und versuchen die Körpertemperatur wieder auf Normalmaß herunterzukühlen.

Zu uns in den Schatten unter der Fichte gesellt sich ein junger Berliner Filmmusikkomponist, der auf dem Weg zu den Filmfestspielen in München ist und davor ein paar Tage in den Bergen wandert. Studiogestählter Oberkörper, hipper langer Zopf , aber ohne Sonnencreme. Wir helfen damit natürlich aus, und gehen dann den letzten Teil der Etappe an. Schier endlos geht es nochmal hoch bis zur Wasseralm, teils auf sehr schmalem und ausgesetztem Pfad, wobei der Wald den Blick immer wieder auf den Obersee freigibt. Trotz der wunderschönen Ausblicke sind wir dann doch froh, als wir das Schild „Wasseralm 2 Minuten“ entdecken und endlich an der idyllisch auf einem Hochplateau gelegenen Hütte ankommen.

Die Wasseralm ist urig, noch eine „richtige“ Berghütte. Nur Lager, Duschen gibt es keine, dafür Bäche und Seen. Auch der Berliner ist inzwischen mit hummerfarbiger Haut angekommen und stürzt sich oberkörperfrei unter bewunderndem Blick aller anwesenden Damen in die Fluten. Wir dagegen schaffen es nur mit den Füßen in den Holztrog.

In der Menükarte kann man zwischen Gemüsesuppe mit und ohne Wurst wählen, nach der anstrengenden Wanderung in der prallen Sonne könnte uns heute kein Mahl besser schmecken. Ordentlich Nachschlag gibt es auch.

Die Wasseralm ist eine ehemalige Brennhütte der Enzianbrennerei Grassl, und so können wir natürlich nicht widerstehen. Es ist ein warmer, gemütlicher Sommerabend, wir verbringen den Abend bei Enzian und Bier im Freien vor der Hütte, in netter Gesellschaft zweier Schwestern aus Burghausen und des Berliners , beobachten das Rotwild beim äsen und reden über Gott und die Welt, bis uns die Hüttenruhe in unser Lager treibt.

Impressionen


Tourenprofil



Übernachtung

Wasseralm
geöffnet ab Ende Mai
Reservierungen: online

 


2 Kommentare zu “Vom Carl-von-Stahl-Haus zur Wasseralm

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